Wie analysiert man eine Bilanz?

Buchhaltung
Burkhard Küpper
 • veröffentlicht am:
2022-08-19
 • Lesezeit: XX Minuten

Bilanzen & Bilanzanalyse: Alles, was du wissen musst, um eine Bilanzanalyse zu verstehen! Jetzt alles zum Thema!

Um einen Fortschritt sehen zu können, muss der gegangene Weg analysiert werden.” Diese Faustregel wurde nicht frei erfunden, sie gehört viel eher zu den Basics des Unternehmertums. Genau aus diesem Prinzip ist es für Unternehmen zwingend erforderlich, einen Jahresabschluss zu machen. Einer der wichtigsten Bestandteile des Jahresabschlusses ist dabei die Bilanz, denn auf diesem Weg können die Vorjahre mit der aktuellen Lage verglichen und eine erste Prognose angestellt werden. Wie auch du deine Bilanz analysieren kannst und alles, was du zum Verständnis wissen musst, erfährst du jetzt hier.

Was ist eine Bilanz?

Eine Bilanz ist die abschließende Gegenüberstellung und der Vergleich von deinen Einnahmen- und Ausgaben, Vermögen und den Schulden deines Unternehmens. Die Bilanzanalyse lässt sich dabei als Teilelement des Jahresabschlusses einordnen. Insgesamt gibt es dabei drei wichtige Elemente, um das Unternehmensjahr beurteilen zu können: die Gewinn-und-Verlust-Rechnung, den Anhang und die Bilanzen. In diesem Beitrag geht es um Letzteres, denn im Rahmen der Bilanzanalyse lassen sich grundsätzlich die aussagekräftigsten Kennzahlen über die aktuelle und prognostizierte Situation ermitteln.

Die Kennzahlen bilden dabei die Basis für unternehmerische, operativer und strategischer Entscheidungen.

Die Bilanzanalyse zeigt dir also: 

  • den Prozess der Informationsgewinnung und -analyse
  • Erkenntnisse über die aktuelle und zukünftige Lage des Unternehmens
  • Eine Übersicht des Vermögens und der Finanzen

Beispiel Bilanzanalyse: Wozu braucht man eine Bilanzanalyse?

Grob gesagt macht ein Unternehmen eine Bilanzanalyse, um herauszufinden, ob sie noch auf dem richtigen Kurs sind. Verschiedene neue Herausforderungen, wirtschaftliche Veränderungen oder betriebliche Hürden können dazu führen, du von deinem eigentlichen Ziel abkommst.

Ein Beispiel zur Bilanzanalyse aus der Praxis: 

 Stell dir vor, du planst einen Bootstrip. Wochen bevor es auf die Reise geht, bist du gedanklich bereits bei der ausführlichen Planung, damit alles möglichst nach Plan läuft. Du stellst dir also die folgenden Fragen: 

  • Wie lange soll die Reise gehen?
  • Wie viele Zwischenstopps machst du und wo sollen diese Zwischenstopps sein?
  • Wie viele Vorräte benötigst du?
  • Wie viele Kameraden benötigst du am Deck? 
  • Zu welchen Zeiten muss gerudert werden, um das Ziel zu erreichen? 

Nun begehst du deine Reise auf dem Boot und schaust natürlich immer mal wieder auf den Kompass, um möglichst auf deiner Route zu bleiben. Doch aus dem Nichts kündigt sich Unwetter an und du musst ungeplant für einige Tage ankern. 

Genau um solche „Schwachstellen“ bzw. unerwartete Hürden auszugleichen, benötigst du die Bilanzanalyse, also den „Kompass“. Auf diesem Weg kannst du immer wieder nachschauen, ob du noch auf dem richtigen Pfad bist und wie weit du dich von dem Ziel entfernst hast.

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Wie ist eine Bilanzanalyse gegliedert? 

Besonders wichtig ist die Auswertung der Bilanzanalyse, wenn es um beispielsweise den Abschluss von Lieferantenverträgen, Börsengängen oder Kapitalverhandlungen geht. Dabei unterscheidet man die aktive (interne) und die passive (externe) Bilanzanalyse.

Die aktive Bilanzanalyse

Die aktive Bilanzanalyse ist der hauptsächliche Teil der Bilanzen und zeigt das tatsächliche Vermögen eines Unternehmens. Sie lässt sich in vier Kategorien unterteilen: 

  • Anlagevermögen: Das Vermögen ist dauerhaft im Unternehmen angelagert
  • Umlaufvermögen: Geldbestände, Warenbestände, Forderungen etc. Für Unternehmen eine kurzfristige Einnahme, die bald wieder rauskommt. 
  • Aktive Rechnungsabgrenzung

Die passive Bilanzanalyse 

Die passive Bilanzanalyse stellt die umfassende Betriebs- und Unternehmensanalyse dar. Hier geht es also primär um die Frage, wer das Geld zur Verfügung gestellt hat? Dadurch bekommst du genaue Kennzahlen, woher das Unternehmen ihr Vermögen generiert hat und lässt sich anhand der folgenden Kategorien unterteilen: 

  • Die Kennzahlen des Eigenkapitals
  • Rückstellung: Sind Verbindlichkeiten, bei denen du nicht weißt, ob, wann und in welcher Höhe sie eventuell eintreten werden. Für diese stellst du einen Geldbetrag zurück, um die eventuell anfallende Zahlungsverpflichtung zukünftig begleichen zu können. Im Grunde also

etwas, was du noch nicht bezahlt hast, was aber in der Zukunft mal anfallen könnte. 

Verbindlichkeiten: Jemand Drittes hat dir Geld gegeben (kommt auf die Länge der Verbindlichkeit an: kurzfristig oder langfristig)

Arten von Bilanzanalysen 

Bilanzanalyse ist nicht gleich Bilanzanalyse: Für jeden Zweck gibt es unterschiedliche Analysen, die einen jeweils spezifischen Einblick in das Unternehmen erlauben. Hierzu zählen: 

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Was braucht man, um eine Bilanzanalyse zu erstellen?

Um eine Bilanzanalyse zu erstellen, benötigst du vier wesentliche Schritte:

  1. Lesen der Bilanz: Im ersten Schritt gilt es, wie der Name bereits verrät, die Bilanzen zuerst zu lesen. Kapital, Vermögen, Steuern, Bilanzsumme, Umsatz und Gewinn verschaffen dir jetzt einen besseren Einblick auf die Verhältnisse. So erhältst du zunächst ein Gefühl für Struktur und Verteilung der Proportionen.
  1. Zeitvergleich: Im zweiten Schritt stellst du einen Mehrjahresvergleich an, also die aktuellen Jahresabschlüsse werden mit den Vorjahren gegenübergestellt. Empfohlen werden mindestens fünf bis zehn Vorjahre zu analysieren. Die Auswertung der Veränderung von Bilanzsummen, Umsätzen und Gewinnen ermöglicht dir das Erkennen von Trends. Dabei solltest du diese zwei Fragen an diesem Schritt beantworten können: 
  • Kannst du ein mittelfristiges Umsatzwachstum erkennen?
  • Wie haben sich die Gewinne entwickelt? 
  1. Umgliederung: Im dritten Schritt erstellst du jetzt deine Strukturbilanz, die einen Überblick darüber vermittelt, wie das Kapital angelegt ist (Vermögensstruktur) bzw. woher es stammt (Kapitalstruktur). So lassen sich die wichtigsten Kennzahlen für deine Bilanzanalyse am saubersten ableiten.
  2. Bilanz von Kennzahlen: Im letzten Schritt wertes du alle erkennbaren Einflüsse wie die veränderten Gegebenheiten im Zeitverlauf aus. Dadurch entsteht eine Analyse, die sämtlichen Daten und Fakten abbildet. So erhältst du spezifische Branchenkennzahlen zu allen möglichen Themengebieten wie der Anlagedeckungsgrad, Umsatzrentabilität, Cashflow oder der Liquidität. Du erfährst in diesem Schritt also, wo sich dein „Boot“ gerade befindet und wie weit du dich vom eigentlichen Ziel entfernt hast.

Anwendung: Diese Kennzahlen benötigst du 

Die ersten beiden Schritte, die für die Erstellung einer Bilanzanalyse von Relevanz sind, befassen sich zunächst ausschließlich mit dem Lesen und Feststellen von Kennzahlen im Mehrjahresvergleich. Anders ist das bei den folgenden zwei Schritten, denn hier wird ausgewertet und erstellt.

Die Umgliederung: So erstellst du eine Strukturbilanz

Im dritten Schritt erfasst du den Zeitvergleich. Um all deine Bilanzkennzahlen endlich in die Bilanzanalyse einzupflegen, ist es äußerst hilfreich, eine Strukturbilanz zu erstellen, die dir einen Überblick darüber gibt, wie das Kapital angelegt ist (Vermögensstruktur) oder woher es stammt überhaupt (Kapitalstruktur). Für die spätere Bilanzanalyse ist das von großem Vorteil. 

Das A und O einer übersichtlichen Bilanzanalyse ist nämlich die saubere Strukturierung. Daher empfiehlt sich die Untergliederung der Einzelpositionen nach Laufzeit. So kannst du beispielsweise auf einen Blick erkennen, welche Einnahmen zu welchem Zeitpunkt generiert werden konnten.

Bilanz von Kennzahlen: Diese Kennzahlen benötigst du für die Bilanzanalyse

Ist deine Strukturanalyse fertiggestellt, hast du alle wichtigen Kennzahlen sauber und ordentlich sortiert. Jetzt kannst du den nächsten Schritt angehen, nämlich die Branchenkennzahlen. Durch diese Kennzahlen werden verschiedene Daten miteinander in Beziehung gebracht. So ist es möglich, “Schwachstellen” aufzudecken, welche für die weitere Unternehmenssteuerung von großer Bedeutung sind. 

Die Auswertung dieser Branchenkennzahlen benötigst du:

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Neben diesen wichtigen Bilanzkennzahlen gibt es weitere, die für die Erstellung einer vollständigen Bilanzanalyse von großer Bedeutung sind, wie:

  • Liquidität 
  • Working Capital / Net Working Capital
  • Forderungsquote
  • Vorratsquote
  • Eigenkapitalrentabilität
  • Gesamtkapitalrentabilität
  • Anlagequote
  • Umlaufvermögensquote
  • Cashflow

Kennzahlen bewerten und interpretieren

Was du jetzt erhältst, ist das reinste Zahlenchaos. Der Kernpunkt ist, die verschiedenen Kennzahlen hinsichtlich ihrer Aussage zu bewerten. Diese musst du dann in deine derzeitige Unternehmenslage beurteilen und entsprechende Schlüsse ziehen. 

Was jetzt folgt, sind Veränderungen. Und durch die Bilanzanalyse siehst du genau, wo diese Veränderung erfolgen müssen.

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Vor- und Nachteile einer Bilanzanalyse

Warum du eine Bilanzanalyse erstellen solltest, müsste an diesem Punkt glasklar sein. Um dir die Vorteile noch einmal auf einen Blick zu gewähren, folgt hier die Pro-Liste:

  • Informationen über die Vermögens- und Finanzsituation 
  • Der Verschuldungsgrad 
  • Einsicht über das Umlaufvermögen
  • Einschätzung der aktuellen Lage 
  • Kalkulieren und Neustrukturierung von entstandenen „Problemen“ 
  • Planung von unternehmerischen Erträgen 
  • Beurteilung der steuerlichen Situation (Steueroptimierung

Die Nachteile einer Bilanzanalyse sind die Grenzen, die mit einer Bilanz nicht abgedeckt werden können. Ein Beispiel hierfür sind die vergangenheitsbezogenen Daten. Diese geben Auskunft über die Vergangenheit und können die aktuelle Lage nicht abdecken. Für die Entwicklung des Unternehmens sind diese Daten aber trotzdem von großer Bedeutung, da in der Relation eine positive oder negative Bewegung analysiert werden kann.

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Fazit: Bilanzanalyse und Steuerbilanz 

Vor allem in heutigen Zeiten, in denen wirtschaftliche Veränderungen öfter zutage kommen als gewollt, ist die Bilanzanalyse ein wichtiges Hilfsmittel, um einen Überblick zu bewahren. 

Doch auch wenn es um das Thema Steuern- und Steuerbilanzen geht, ist eine Bilanzanalyse einfach nur Goldwert. 

Die Steuerbilanz wird aus der Handelsbilanz abgeleitet und zeigt dir, ähnlich wie die Bilanzanalyse, einen Überblick über Vermögensverhältnisse nach den Vorschriften des Einkommensteuergesetzes. 

Die Erstellung einer korrekten und vollständigen Bilanzanalyse kann dir also helfen, deine “Schwachstellen” frühzeitig zu entdecken und auszubügeln. Selbstverständlich beinhaltet die Bilanzlesung und Auswertung das Studium von Lagebericht und Anhang. Wir helfen und beraten dich natürlich gerne, wenn du weitere Fragen zum Thema Bilanzen hast. Zögere nicht und tritt jetzt gerne mit uns in Kontakt. Denn nur durch eine richtige Auswertung und Analyse kann dein Unternehmen endlich wachsen und Umsätze erzielt werden.

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