Wann gilt das Teileinkünfteverfahren?

Steuern
Burkhard Küpper
 • veröffentlicht am:
2022-08-19
 • Lesezeit: XX Minuten

Wie werden Ausschüttungen aus einer Kapitalgesellschaft behandelt? Alles zum Thema Teileinkünfteverfahren hier erfahren!

Teileinkünfteverfahren: Wie werden Ausschüttungen aus einer Kapitalgesellschaft eigentlich behandelt? 

Um die Ausgangsfrage direkt zu beantworten: Es gibt zwei Möglichkeiten Ausschüttungen aus der Kapitalgesellschaft zu behandeln, und zwar entweder durch die Abgeltungssteuer oder durch das Teileinkünfteverfahren. Für Letzteres gibt es einige grundlegende Voraussetzungen und Rahmenbestimmungen, über die du in diesem Beitrag bestmöglich informiert wirst!

Was ist das Teileinkünfteverfahren? 

Das Teileinkünfteverfahren (TEV) ist ein mögliches Anrechnungsverfahren, mit dem du deine Ausschüttungen versteuern kannst. Die zweite Möglichkeit der Versteuerung besteht durch die Abgeltungssteuer.

Im Grunde ist das Teileinkünfteverfahren ein Prozess, mit dem du deine Gewinnausschüttungen oder Dividenden aus Beteiligungen an Kapitalgesellschaften abrechnen kannst. Wie der Name bereits vermuten lässt, handelt es sich hierbei um Teil-Ersparnisse: Denn nur ein Teil deiner festgelegten und zu versteuerten Kapitaleinkünfte muss mit deinem persönlichen Einkommensteuersatz des Anteilseigners versteuert werden. Um genau zu sein: ganze 60 %.

Die restlichen 40 % und Veräußerungsgewinne bleiben dabei einkommenssteuerfrei.

Abgeltungsteuer und Kapitalertragsteuer

Die Abgeltungsteuer wurde in Deutschland 2009 eingeführt. Fortan müssen inländische Kapitalerträge in der Einkommensteuererklärung nicht mehr angegeben werden, weil sie bereits durch den Quellensteuerabzug abgegolten sind. Dabei bezeichnet die Kapitalertragsteuer und die Abgeltungsteuer im Grunde das Gleiche, weil die Einkommensteuer auf Kapitaleinkünfte durch den Abzug der Kapitalertragsteuer an der Quelle als abgegolten gelten. Der Begriff Abgeltungssteuer ist der aktuellere. 

Ausschüttung einer Kapitalgesellschaft

Werden Gewinne ausgeschüttet, spricht man von einer Gewinnausschüttung. Diese muss wiederum der Gesellschafter versteuern. Anders als bei Privatpersonen muss eine Kapitalgesellschaft, wie z. B. eine GmbH, ihre Gewinne selbst versteuern. Hierzu werden prozentuale Anteile an Gewerbesteuer, Körperschaftsteuer und dem Solidaritätszuschlag vom Finanzamt berechnet und entsprechend ausgezahlt. Der Nettogewinn kann dann an die weiteren Gesellschaften, wie an die Tochtergesellschaften, verteilt werden. Ob und wann eine Ausschüttung erfolgt, entscheidet die Gesellschafterversammlung.

Die GmbH bewahrt die Abgeltungssteuer ein und bescheinigt ihm dies. In seiner Einkommensteuererklärung kann der Gesellschafter dann eine Günstigerprüfung durchführen. So kann man erfahren, ob die Abgeltungssteuersatz von 25 % günstiger ist oder vielleicht eher der persönliche Steuersatz infrage kommt.

Ist der Gesellschafter jetzt mindestens 25 % bis 1 % an der GmbH beteiligt und tätig, kann darüber entschieden werden, ob das Teileinkünfteverfahren in Kraft treten kann? Dadurch sind die Ausschüttungen mit 60 % als Einnahmen anzusetzen und er kann Vorteile nutzen, wie z. B. die Ersparnis bei den Werbungskosten abzusetzen.

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Schritt-für-Schritt-Anleitung: Beispiel für Teileinkünfteverfahren

Theoretisch kannst du dir jetzt schon ein gutes Bild von den steuerlichen Ersparnissen durch das Teileinkünfteverfahren machen. Etwas besser klappt dies aber mit einem Beispiel aus der Praxis. 

Die Grundfrage für Unternehmer ist: Welche Steuern muss ich eigentlich zahlen und was sind meine Nettoeinnahmen? Denn letztendlich misst sich der Gewinn deines Unternehmens anhand fester Kennzahlen, die sich vor allem im Jahresabschluss, in deiner Bilanz, widerspiegeln.

In den folgenden 3 Schritten kannst du sehen, wie du durch das Teileinkünfteverfahren Steuern sparen kannst. 

Stell dir also vor, du bist Unternehmer und dein Unternehmen hat einen Gewinn von 100 Euro erzielt. Mit welchen Steuern musst du rechnen?

  1. Schritt: Die Berechnung der tatsächlichen Einnahmen: 

Die folgenden Steuern werden bei jedem Unternehmen fällig:  

  • Die Körperschaftssteuer (Kst), also 15 % 
  • Der Solidaritätszuschlag (Soli)
  • Die Gewerbesteuer (GewSt): Diese berechnet sich je nach Gemeinde, in der du tätig bist. 

Jedes Gewerbe hat einen anderen Hebesatz (variiert von 200 % bis 900 %). 

Ziehst du die Steuern ab, die bei jedem Unternehmen fällig sind, so zahlst du 30 Euro Steuern. Dein tatsächlicher Gewinn beträgt also 70 Euro. 

  1. Schritt: Diese Möglichkeiten hast du: 

Im zweiten Schritt siehst du jetzt die Summe deines tatsächlichen Gewinns und kannst dich zwischen zwei Möglichkeiten entscheiden: Entweder lässt du den Gewinn in deiner GmbH belasten und zahlst ihn dir als Darlehen aus. Oder du entscheidest dich für die zweite Möglichkeit, die Ausschüttung. 

  1. Schritt: Die Ausschüttung 

Um den Gewinn ausschütten zu können, benötigst du zunächst einen Gewinnausschüttungsbeschluss. Jetzt hast du erneut zwei Möglichkeiten, um den Gewinn auszuschütten:

  • Variante 1: Ausschüttung durch die Abgeltungssteuer: Hier zahlst du grundsätzlich 25 % für die Abgeltungssteuer und Solidaritätssteuern von 5,5 %. Auf den Gewinn von 70 Euro. Dir bleiben jetzt noch 51.50 Euro. Im Endeffekt bedeutet das, dass du bis hierher eine Belastung von knapp 50 % trägst (um genau zu sein 48,5 %).
  • Version 2: Ausschüttung durch das Teileinkünfteverfahren: Der Vorteil des Teileinkünfteverfahrens ist, dass 40 % deines tatsächlichen Gewinns steuerfrei sind.
  • Berechnen wir dieses Verfahren, ziehen wir 40 % Steuern von dem Gewinn, also 70 Euro, ab. Das bedeutet 28 Euro können von deinem Gewinn abgezogen werden und nur noch 42 Euro werden versteuert (also nur 60 % deines Gewinns). Hierzu kommt noch dein individueller Steuersatz, der zwischen 0 % und 45 % liegen kann. Generell gilt: Umso niedriger dein Steuersatz, umso eher lohnt sich das Teileinkünfteverfahren.

Wann Teileinkünfteverfahren und wann Abgeltungssteuer?

Die Frage, wann die Abgeltungssteuer und wann das Teileinkünfteverfahren eintritt, hängt also von der Entscheidung über die Aufschüttung ab. Demnach wird die Abgeltungssteuer auf 100 % des Gewinns angewendet. Beim Teileinkünfteverfahren werden nur 60 % lediglich der Kapitaleinkünfte versteuert.

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Kann man durch Teileinkünfteverfahren Steuern sparen?

Wenn es um das Thema Kapitalerträger wie Dividenden oder Zinsen geht, greift in Deutschland die Abgeltungsteuer ein. I.d.R wird das Teileinkünfteverfahren alternativ zur Besteuerung durch die Abgeltungssteuer genutzt. Anders ist es aber bei der Versteuerung von Gewinnen, die aus der Veräußerung von Anteilen an Kapitalgesellschaften, entstehen. Im Sinne des § 17 EStG sind die Kapitalerträge nach dem sogenannten Teileinkünfteverfahren zu besteuern. 

Zusammengefasst ist das Teileinkünfteverfahren also eine Art Alternativverfahren zur regulären Besteuerung mit Abgeltungssteuer. Dabei unterscheidet man diese drei Fälle:

  1. Wegen fehlender Voraussetzungen darf das Teileinkünfteverfahren nicht genutzt werden.
  2. Wahlrecht: Steuersubjekt darf TEV beantragen, wenn gewünscht
  3. Teileinkünfteverfahren muss verwendet werden

Grenzsteuer, Nullzone und Kapitalertragsteuer-Freibetrag

Der deutsche Staat geht davon aus, dass Privatpersonen 10.000 Euro im Jahr benötigen, um das Existenzminimum zu sichern: Also um zu überleben. Logischerweise steht Ehepaaren daher der doppelte Betrag zu, also 20.000 Euro. Damit das Erreichen des Existenzminimums für jeden Deutschen möglich ist, wurde der Grundfreibetrag (auch als Nullzone bekannt) eingeführt, welches einen steuerfreien Erwerb bis zur Höchstgrenze ermöglicht.

Nach dem Erwerb des Freibetrags folgt die Steuerpflicht nach oben und erreicht den Grenzsteuersatz bei 60.000 Euro.

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Welche Vorteile hat das Teileinkünfteverfahren?

Durch das Teileinkünfteverfahren kannst du im Idealfall ordentlich Steuern sparen, das müsste jetzt spätestens klar sein. 

Diese Vorteile erwarten dich:

  • Sparen bei Werbekosten: Du kannst anteilig Werbungskosten absetzen, und zwar ganze 60 % deiner entstandenen Betriebsausgaben können mithilfe des Teileinkünfteverfahrens als Werbekosten von der Steuer abgesetzt werden. Jedoch können aber nicht eingespart werden, wenn Kapitaleinkünfte stattdessen mit der Kapitalertragsteuer belastet werden.
  • Sparen in der Relation: Nur 60 % der Einnahmen müssen versteuert werden, daher ist die Steuerersparnis vor allem bei einem hohen persönlichen Einkommensteuersatz günstiger. Bei einem niedrigen persönlichen Einkommensteuersatz ist es besser die Abgeltungssteuer zu nutzen.
  • Ersparnis bei weiteren Ausgaben: Außerdem versteuerst du im Rahmen des Teileinkünfteverfahrens die betrieblichen Kapitalerträge mit deinem persönlichen Steuersatz – bei der Abgeltungssteuer werden immer 25 Prozent fällig.  

Im Wesentlichen kannst du durch das Teileinkünfteverfahren steuerliche Sparstrukturen aufbauen.   

Jedoch gibt es auch einen gravierenden Nachteil: Wenn du das Teileinkünfteverfahren wählst, kannst du nicht mehr den Sparer-Pauschbetrag nach § 20 Abs. 9 EStG nutzen.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt werden?

Eine Frage, die im Zusammenhang mit den steuerlichen Ersparnissen in Verbindung steht, ist, welche Voraussetzungen für das Teileinkünfteverfahren erfüllt werden müssen? Hierzu gibt es einen wesentlichen Grundsatz, der über die Geltung des Verfahrens entscheidet: Das Verfahren greift ein, wenn deine Anteile der Kapitalgesellschaft im Betriebsvermögen gehalten werden. Das gilt zumal für Ausschüttungen als auch bei Veräußerungen. 

Um eventuell Anspruch auf das Teileinkünfteverfahren zu nehmen, musst du zunächst einen Antrag stellen, mit Abgabe der Steuererklärung. Diesen Antrag kannst du aber nur stellen: 

  1. Wenn deine Beteiligungsquote 25 % beträgt (hier besteht ein Wahlrecht). 
  2. Wenn dein Anteilseigner für die Gesellschaft tätig ist und deine Beteiligungsquote bei mindestens 1 % liegt. 
  3. Wenn die Beteiligungsquote mindestens 1 % beträgt und die Beteiligung veräußert wird. In diesem Fall greift zwingend das Teileinkünfteverfahren.

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Fazit: Noch mehr zum Thema Teileinkünfteverfahren?

Das Teileinkünfteverfahren ist im Grunde also eine hervorragende Möglichkeit, um steuerliche Sparstrukturen aufzubauen. Vor allem für diejenigen, die Ausschüttungen aus Kapitalgesellschaften bekommen und keine hohen Einkünfte haben, lohnt sich der Antrag auf das Verfahren erheblich. 

Wenn du Fragen zu diesem ausgeprägten Thema hast, zögere bitte nicht, Kontakt zu uns aufzunehmen. Wir beantworten dir gerne jegliche Fragen und beraten dich ausführlich und gerne. Wir freuen uns auf dich.

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